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MOZ, 24.06.2011

Rekorde schon vor der Eröffnung

Eisenhüttenstadt (moz) Knapp eineinhalb Jahre nach Produktionsstart in der Papierfabrik in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) zieht Progroup-Vorstandschef Jürgen Heindl eine positive Bilanz. Die Anlage sei hervorragend angelaufen, sagt er. Im Mai wurden fast 55 000 Tonnen Papier produziert.


Schon vor der offiziellen Eröffnung der Papierfabrik am 9. September hat sich die Papiermaschine PM2 des finnischen Herstellers Metso Paper durch zwei Weltrekorde im übertragenen Sinne unsterblich gemacht. Über einen Zeitraum von 30 Stunden jagte das Papier mit einer Geschwindigkeit von 1650 Meter pro Minute durch die Halle. Mit dem zweiten Weltrekord untermauerte Progroup-Vorstand Heindl seinen Anspruch, die leistungsfähigste Maschine für Wellpappenrohpapier weltweit auf Touren gebracht zu haben. Die Maximalleistung liegt bei 1800 Meter pro Minute. 650 000 Tonnen im Jahr kann die Maschine schaffen. "Die Anlage ist hervorragend angelaufen. Selbst der finnische Hersteller ist begeistert", lobt Heindl.

Mit diesen Erfolgen im Rücken kann die eigentliche Eröffnung am 9. September kommen, auch wenn Heindls Wunschkandidatin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen anderer Verpflichtungen nicht zugesagt hat. "Wir werden dennoch hochkarätige Redner haben", verspricht Heindl. Dass er überhaupt so lange mit dem offiziellen Start gewartet hat, begründet er mit der Komplexität der Investition: Erst jetzt liefert das Kraftwerk der EnBW Energy Solutions GmbH (ESG) der Papierfabrik die Energie. Bis dahin bezog sie Heindl vom Stahlproduzenten ArcelorMittal in unmittelbarer Nachbarschaft. "Die Zusammenarbeit mit ArcelorMittal ist sehr eng", betont Heindl. Nun könne man den ganzen Standort präsentieren.

Spätestens seit März vergangenen gilt Eisenhüttenstadt nicht mehr nur als Stahlstandort. 400 Millionen Euro flossen allein in die Papierfabrik, die 175 Arbeitsplätze sind zumeist mit jungen Leuten aus der Region besetzt. Diego Schwagerick ist einer von ihnen. Der 24-Jährige hat beim Trinkwasser- und Abwasserzweckverband gelernt, war dann arbeitslos und kann sich nach monatelangen Schulungen und bestandenen Prüfungen in Österreich sowie am Progroup-Standort in Burg (Sachsen-Anhalt) Papiertechnologe nennen. "In der Zeit ist die Familie ziemlich kurz gekommen", erinnert sich Schwagerick. Das ist auch jetzt nicht anders: Die Papierfabrik produziert das Wellpappenrohpapier als Grundlage für Verpackungen und Kartonagen im Vier-Schicht-System.

Jetzt, wo es läuft, will sich der Arbeitgeber für das Engagement in der Anfangsphase erkenntlich zeigen. "Das haben auch die Familien mittragen müssen", sagt Peter Resvanis, Progroup-Produktionsleiter an den Standorten Burg und Eisenhüttenstadt. Gemeinsam mit Vorstandschef Jürgen Heindl lädt er die Mitarbeiter samt Familien Mitte Juli zu einem großen Fest mit Livemusik und einem Promimenten-Fußballvergleich zwischen einer Werksauswahl gegen den Brandenburg-Ligisten EFC Stahl ein. "Das, was die Kollegen mit dem Anfahren der Maschine auf die Beine gestellt haben, ist Pionierarbeit", würdigt Heindl. Viele hätten das Berufsbild des Papiertechnologen bis dahin gar nicht gekannt. Familienfreundlichkeit werde groß geschrieben. "Wir sind ein menschliches Hochleistungsunternehmen", resümiert Produktionsleiter Resvanis. Nach Aussagen des Progroup-Vorstands werde sehr genau auf vertretbare Schichtsysteme und die Vermeidung von hohen Überstundenzahlen geachtet.

Progroup hat zwölf Standorte in Europa und erzielte mit 830 Mitarbeitern im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 466 Millionen Euro. Für den Standort Eisenhüttenstadt schließt Vorstandschef Jürgen Heindl weitere Investitionen nicht aus. "Es gibt durchaus vielversprechende Ideen", sagt Heindl.

von Andreas Wendt


 
 

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