Investoren bekommen Zuschüsse

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DVZ, 22.10.2013

Frankfurt (Oder) will Logistikdienstleister anlocken und sein Güterverkehrszentrum samt KV-Terminal ausbauen.

Von Stefan Bottler

Wohl nur wenige Mittelstädte in Deutschland werben so offensiv um Logistikdienstleister wie Frankfurt (Oder). An gleich drei Standorten mit insgesamt über 50 ha will die 60 000-Einwohner-Stadt Branchenunternehmen ansiedeln. Entlang der Autobahn 12 erstrecken sich die neuen Gewerbegebiete Nordost und Süd als Teilstandort „Frankfurter Tor“ des Güterverkehrszentrums (GVZ). Beide sind über die B 112 (Küstrin–Forst) und die Anschlussstelle West direkt an die Autobahn angebunden. Außerdem gibt es im Süden der Stadt ebenfalls an der B 112 das Gewerbegebiet Markendorf. Entsprechende Investoren soll die Agentur Investor Center Ostbrandenburg (Icob) anwerben, die Frankfurt (Oder) mit der südlichen Nachbarstadt Eisenhüttenstadt gegründet hat. Die Bedingungen sind attraktiv. Weil Frankfurt (Oder) Ziel-1-Fördergebiet der Europäischen Union ist, können Unternehmen aus nationalen und europäischen Förderprogrammen bis zu 50 Prozent Investitionszuschüsse in Anspruch nehmen.

Neue Flächen werden erschlossen

Mit Icob-Unterstützung soll auch der zweite GVZ-Teilstandort für Schienenverkehre auf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs weiter aufgewertet werden. Im Norden dieser Fläche, dessen wichtigste Anlage ein Terminal für den Kombinierten Verkehr (KV) mit zwei Umschlaggleisen und weiteren Abstellgleisen für Ganzzüge ist, werden gegenwärtig Flächen für ein 7 ha großes Logistik-Center erschlossen. Hier sollen Cross Docking-Center, ContainerDepots und andere schienenaffine Anlagen entstehen. Auch das KV-Terminal, das seit April 2012 von der polnischen PCC Intermodal betrieben wird, steht unmittelbar vor einem Ausbau. Geplant sind für rund 7 Mio. EUR eine Kranbahn mit Portalkran über vier Umschlaggleise mit jeweils 620 m Länge. Rund 5,4 Mio. EUR steuert der Bund entsprechend der KVRichtlinie bei, den Rest übernimmt PCC Intermodal. „Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im Herbst 2013 beginnen“, kündigt ICOB-Projektmanagerin Sybille Rehse an. Außerdem ist eine weitere Straßenverbindung zur B 112 geplant. Für den Ausbau des GVZ gibt es gute Gründe. Der Außenhandel zwischen Deutschland und Polen ist bis 2011 häufig zweistellig gewachsen und macht heute bei einem Überschuss von rund 8,7 Mrd. EUR für Deutschland über 75 Mrd. EUR (2012) aus. Ein Großteil der ex- und importierten Maschinen, Lebensmittel, Elektronikartikel, Chemieprodukte, Autoteile und sonstige Güter wird über Frankfurt (Oder) umgeschlagen. Die verkehrsgünstigen Lager der Geburtsstadt des Dichters Heinrich von Kleist an der Autobahn A 12 und an der Eisenbahnlinie des Europäischen Transportkorridors Paris–Berlin–Warschau–Moskau zahlt sich aus. Durch den Ausbau verspricht sich das GVZ mindestens eine Verdoppelung des Containerumschlags.
Rund 3 Mio. mautpflichtige LKW passieren die Stadt im Jahr. Über die Hälfte der Polen-Straßenverkehre werden hier abgefertigt. Tendenz steigend. Nach Straelen an der niederländischen Grenze ist Frankfurt (Oder) der Autobahngrenzübergang mit dem zweithöchsten Verkehrsaufkommen in Deutschland. Für weitere Straßenverkehre sorgt die Nord-SüdAchse Stettin–Prag entlang der B 112. Auch die Eisenbahnverkehre florieren. 2010 wurde mit 65 000 TEU das bislang höchste Umschlagvolumen erreicht. In seiner gegenwärtigen Größenordnung kann das knapp 25 000 m 2 große KV-Terminal jährlich rund 80 000 TEU umschlagen. Trotzdem fällt die Bilanz für den Logistikstandort Frankfurt (Oder) bislang durchwachsen aus. Auf den Gewerbeflächen der Stadt machen sich Logistikunternehmen noch rar. Mit Alblas International, Willy Betz, Logway Solution, der Rosner-Gruppe und Thews & Partner haben sich erst eine Handvoll nationaler und internationaler Branchenunternehmen in Frankfurt und Umgebung niedergelassen. Der Ruf der Stadt als Branchenhochburg steht und fällt mit dem GVZ und dem KV-Terminal. Jetzt soll der neue Betreiber PCC Intermodal, der die Anlage von der Deutsche Bahn-Tochter DUSS übernommen hat, wieder an frühere Wachstumsphasen anknüpfen. 2012 war das TEU-Aufkommen auf unter 50 000 abgesackt, was auch auf die erstmals seit Jahren leicht rückläufige deutschpolnische Außenhandelsbilanz zurückzuführen ist. Die Ausfuhren ins Nachbarland gingen um rund 3 Prozent auf 42,2 Mrd. EUR (2011: 43,5 Mrd. EUR) zurück.

Hub zu den Überseehäfen

Auch im GVZ Frankfurt (Oder) waren vor allem die Verkehre nach Osten eingebrochen. „Als Hub zu den Überseehäfen hat sich das GVZ im Markt jedoch durchgesetzt“, sagt Bernd Meewes, Deutschland-Geschäftsführer von PCC Intermodal. Jeden Tag starten vom KV-Terminal Zugverbindungen nach Bremerhaven, Hamburg und – über Duisburg – Rotterdam. Außerdem gibt es mehrmals in der Woche Linienverkehre zu den polnischen Logistikzentren Brzeg Dolny (bei Breslau), Kutno (bei Lodz) und Gleiwitz. In allen drei Standorten hat PCC Intermodal ebenfalls Terminals.
Der neue Betreiber will Frankfurt/Oder als Hub für weitergehende Ost-Verkehre nach Weißrussland und Russland aufb auen. Seit Dezember 2011 bietet PCC Intermodal wöchentliche Bahnverbindungen von Kutno nach Moskau an. Außerdem will PCC Intermodal weitere Nutzer aus dem deutsch-polnischen Umland gewinnen. „Wir kalkulieren mit einem Einzugsbereich von 150 km“, sagt Meewes. Alternative Logistikstandorte zu Frankfurt (Oder) gibt es in dieser ländlichen Region nicht. Die polnische Nachbarstadt Slubice, die bis 1945 unter dem Namen Dammvorstadt Teil von Frankfurt (Oder) war, hat keine eigenen Verkehrsanlagen. Allerdings hängt das künftige Aufkommen stark von weiteren Unternehmensansiedlungen rund um Frankfurt (Oder) ab.
Gegenwärtig werden über das GVZ vor allem Autoreifen, Holzwerkstoffe, Laminate, Lebensmittelkonserven und Papiererzeugnisse ausgeführt. Die wichtigsten Importartikel für die Region sind Kautschuk und Vorprodukte für Elektronikindustrie. Als Hoffnungsträger gilt der ECommerce. Ein paar Marktteilnehmer haben sich an der polnischen Grenze bereits niedergelassen, darunter der Handyhändler getgoods. de und der Shopspezialist D&S. Auch der Betreiberwechsel lockte offenbar neue Unternehmen an. Im Frühjahr eröffneten der Waggonanbieter Transwaggon und der Containerdienstleister MSC im GVZ neue Stützpunkte.

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